Dissertationsprojekt

Künstlerische Formen des Comics ausgehend vom Werk Chris Wares (AT)

In dem Dissertationsprojekt „Künstlerische Formen des Comics ausgehend vom Werk Chris Wares“ wird die grundlegende Frage verhandelt, wie in Comics Sinn durch genuin visuelle und auf die materielle Erscheinungsform des Comics bezogene Strategien generiert werden kann. Unter dieser Fragestellung wird der These nachgegangen, dass der nordamerikanische Comickünstler Chris Ware (*1967) derartige visuelle und materielle Mechanismen nutzt, um den lesend Betrachtenden die eigene kulturelle Prägung vor Augen zu führen und dieses Wissen für die zu vermittelnde Erzählung fruchtbar zu machen.

Ausgangspunkt hierfür ist Chris Wares Werk „Building Stories“, das 2012 publiziert wurde. Es besteht aus einem Stülpdeckelkarton mit insgesamt 14 in ihrer Form teils stark variierenden Druckerzeugnissen. Darunter befinden sich Zeitungsformate, Hefte mit Klammerbindung, ein Buch mit Leineneinband, ein gefalteter Spielplan sowie ein Buch, das in Gestaltung und Format an ein Kinderbuch erinnern lässt. In diesen unterschiedlichen Formaten wird in Panelanordnungen, d. h. der Abfolge von mehreren Bildern auf einer Seite, die Geschichte von fünf Bewohner*innen eines Chicagoer Mietshauses erzählt: eine junge Frau, ein Paar mittleren Alters und eine ältere Dame sowie Branford die Biene. Die Geschichten um diese fünf Figuren umfassen gegenwärtige, vergangene und zukünftige Erlebnisse, die sich immer wieder beim Mietshaus treffen. Die Themen, die rund um das Mietshaus umkreist werden, sind geprägt von Alltäglichkeit, Einsamkeit und zwischenmenschlicher Distanz, was in starkem Kontrast zu den vielfarbigen Comicseiten und den teils an Kinder gerichteten Publikationsformaten steht. Die lesend Betrachtenden werden durch dieses Spannungsverhältnis in hohem Maße emotional und intellektuell in ihrer Rezeption gefordert.

Die Analyse des Werks konzentriert sich auf eine anschauliche und am visuellen Befund von „Building Stories“ orientierte Auseinandersetzung, d. h. eine intensive, unmittelbare Betrachtung der Werke und eine daraus entwickelte Interpretation, bei der Rezeptionsweisen, das Potential der bildlichen Darstellung im Comic, eine historische sowie systematische Kontextualisierung (in Bezug auf das Medium Comic in seiner amerikanischen und westeuropäischen Prägung seit seinen Anfängen um 1900 und speziell Underground Comics der 1960er-Jahre sowie Künstlerbücher, die ebenfalls seit den 1960er-Jahren vermehrt produziert wurden) und das Erzählen in Bildern im Fokus stehen.